Frauenzentrum in Dêrsim/Tunceli

Besucherinnen und Nutznießerinnen des von der Bürgermeisterin der kurdischen Stadt Tunceli/Dêrsim Edibe Şahin in Kooperation mit LeEZA und einer Startfinanzierung durch die Stadt Wien und durch den Weltgebetstag der Frauen Österreich neu gegründeten Frauenzentrums sind die Bewohnerinnen der Stadt sowie der Dörfer rund um die Stadt.

Es sind dies in erster Linie Frauen und Mädchen, die sowohl von individueller als auch von struktureller Gewalt betroffen sind. Hauptsächlich ist das häusliche Gewalt, Zwangsverheiratung, sexualisierte Gewalt, politische Gewalt durch das türkische Militär, Zwangsprostitution und Armut.

Die Frauen, die in Tunceli/Dêrsim wohnen, sind Einheimische, bzw. Binnenflüchtlinge, deren Dörfer während des Krieges der 1990er Jahre durch das türkische Militär zerstört und in Brand gesetzt wurden. Andere wiederum mussten ihre Dörfer verlassen, weil sie dem Netz an Staudämmen, mit dem die Region überzogen wird, im Wege standen.

Erstmalig soll es durch die Initiative der Gemeinde ein kleines Frauenzentrum samt einem mobilen Betreuerinnenteam geben, das psychosoziale und rechtliche Beratung, Begleitung und Betreuung für die benachteiligten Frauen und Mädchen, anbietet. Es werden auch Aufklärungsvorträge für Männer (Gewalt, Sexualität, uvm.) angeboten.

Das Zentrum bzw. die Mitarbeiterinnen sollen Unterstützung bei der Lösung der Probleme bieten, die durch Binnenmigration und durch die oben angeführten Gewaltsituationen entstanden sind.

Frauenzentrum KHANZAD im Irak

Unterstützung inhaftierter Frauen und Mädchen im Nordirak

LeEZA kooperiert seit 2009 mit der NGO Haukari und mit dem Frauenzentrum „Khanzad“ im nordirakischen Sulaimania. Haukari und Khanzad arbeiten bereits seit 1999 mit Frauen und Mädchen im Untersuchungsgefängnis und seit kurzem auch im Straf- und Jugendgefängnis von Sulaimania.

Konkret förderte LeEZA mit Hilfe öffentlicher Gelder und privater Spenden aus Österreich ein Projekt von Khanzad zur juristischen, medizinischen und psychologischen Unterstützung inhaftierter Frauen und Mädchen von 2009 bis 2011.

Diese sind zum größten Teil wegen „Ehebruchs“, „Prostitution“, „Kuppelei“ oder „Bettelei/Rumtreiberei“ im Gefängnis. Hintergrund ihrer Inhaftierung ist in vielen Fällen die Flucht vor Zwangsverheiratung und Gewalt in der Familie. Daher bildet die Zusammenarbeit mit den Familienangehörigen der Betroffenen zur Erarbeitung von Perspektiven nach der Entlassung (Reintegration, Schutz vor Gewalt und Ehrenmord) einen weiteren Schwerpunkt des Projektes. Schlussendlich stellen Lobbyarbeit für die Verbesserung der Haftbedingungen und Reformen im Strafvollzug sowie begleitende Öffentlichkeitsarbeit gegen die soziale Marginalisierung der Angeklagen einen weiteren Schwerpunkt der Kooperation dar.

Link: www.haukari.de/

Dieses Projekt wurde von LeEZA, Haukari eV, dem Weltgebetstag der Frauen Österreich, Amnesty International Netzwerk Frauenrechte und der Stadt Wien unterstützt.

Frauengeführte mobile Teams

Seit 2003 betreuen sechs mobile Teams Frauen und Kinder in den Regionen Mossul, Hawler/Arbil, Kirkuk, Suleymaniah, Halabja und Germian. Die Teams bestehen aus einer Ärztin und einer Krankenschwester, die Gesundheitsberatung und ambulante Untersuchungen anbieten, sowie aus einer Sozialarbeiterin bzw. Psychologin, die den Frauen in rechtlichen und psychosozialen Fragen zur Seite steht. Die Aufklärung über Frauenrechte und die Thematisierung von Gewalt in der Familie tragen dazu bei, die gesellschaftliche Stellung von Frauen und Kindern zu stärken. Zusätzlich erhalten besonders bedürftige Familien materielle Unterstützung in Form von Lebensmitteln, Kleidung und Medizin.

Die mobilen Teams setzen sich dabei jeweils aus gebildeten jungen Frauen der jeweiligen Region zusammen. In multiethnischen Regionen wie Kirkuk wird darauf geachtet, dass auch die unterschiedlichen Sprachgruppen in einem Team gemeinsam vertreten sind, was das Vertrauen der lokalen Bevölkerung in die mobilen Teams stärkt.

Viele Frauen in den Dörfern haben durch die Ärztinnen der mobilen Teams erstmals Zugang zu medizinischer Versorgung und Beratung. Dabei werden auch Daten über die allgemeine gesundheitliche und soziale Situation in den Dörfern aufgenommen, um langfristige Verbesserungen zu erreichen.

LeEZA unterstützte die Mobilen Teams von 2004 bis 2009 mit finanzieller Unterstützung der OEZA, der Stadt Wien und des Weltgebetstages der Frauen in Österreich.

Freies Radio für Frauen und Jugendliche

Nach dem Sturz des Ba’th-Regimes entstand im Irak ein Freiraum für neue Medien, der trotz des anhaltenden Terrors und der traditionell patriarchal geprägten Gesellschaftsstrukturen genutzt wird.

Zum Beispiel von jenen Frauen und Jugendlichen im nordirakischen Gebiet von Shara Sur, Halabja und Hauraman, die mit dem Sender „Dengi Nwe“ (Neue Stimme) ein einzigartiges Projekt umsetzten: Sie gründeten ein dezidiert parteiunabhängiges Community-Radio, das nach acht Monaten Vorbereitungszeit und Probebetrieb im September 2005 live on air ging. Der Sender besteht aus 6 Mitarbeiterinnen und 4 Mitarbeitern. Sie sind allesamt Überlebende des Giftgasangriffs des Ba’th-Regimes auf Halabja und teilen das Trauma von Tod und Vertreibung, Flucht und Exil, Rückkehr und Internierung in sogenannten Collective Towns.

Im Jahr 2005 wurde die Radiostation aufgebaut und Bewerbungsgespräche geführt. Thematisch umfasst das Radioprogramm gesellschaftsrelevante Aspekte wie u. a. Umgang mit Behinderungen, Gewalt an Frauen und Jugendlichen, Gesundheit, Sexualität und der rechtliche Status von Frauen. Die MitarbeiterInnen von Radio Dengi Nwe wollen dadurch das Bewusstsein für Frauenrechte und das Verständnis für die Jugend stärken.

Frauen wird ein öffentliches Forum geboten, in dem sie über ihre Situation und Erfahrungen berichten können. Den TeilnehmerInnen soll dabei auch die Fähigkeit zu journalistischer Arbeit vermittelt werden. Weiters will das Team über Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Ausbildungsmöglichkeiten, Musik, Mode sowie internationale Kultur berichten.

LeEZA unterstützte dieses Projekt mit finanzieller Hilfe der OEZA, der Stadt Wien und des Weltgebtstags der Frauen Österreichvon 2005 bis Dezember 2008.

Kampagne gegen Weibliche Genitalverstümmelung (FGM)

Frauengeführte mobile Teams bestehend aus einer Ärztin, einer Sozialarbeiterin und einer Krankenschwester oder Psychologin organisieren seit mehreren Jahren in den verschiedenen Regionen des Nordirak Frauenversammlungen, diskutieren über gesundheitliche sowie gesellschaftliche Probleme und leisten Hilfestellung. Die Soroptimists Kärnten unterstützten dieses Programm 2004 und 2005.

Im Oktober und November 2004 wurde eine erste Erhebung in ca. 40 Dörfern der Region Germian (im südlichen Nordirak) durchgeführt, deren Ergebnis zeigte, dass etwa 60 % der Frauen und Mädchen unter 10 Jahren beschnitten worden waren.

Eine umfassendere Erhebung, die u.a. aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) sowie von Amnesty International (Sektion Frauenrechte, Österreich), gefördert wird, soll nun Daten über die Verbreitung von FGM liefern, die dann für politisch MandatsträgerInnen und NGOs zur Verfügung stehen sollen. Das Projekt lief im April 2009 aus. LeEZA leistet zudem Aufklärungsarbeit zum Thema unter ExilirakerInnen in Österreich.

Frauenzentren

Im Irak ist, wie in den meisten Staaten des Nahen Ostens, die öffentliche Sphäre weitgehend den Männern vorbehalten, während die Frauen im Privaten oft unter sich sind. Öffentliche Orte der Begegnung gibt es für Frauen selten. Bildungsmöglichkeiten sind für Männer viel leichter zugänglich als für Frauen.

Genau hier sollen die Frauenzentren gegensteuern und einen Begegnungsraum für Frauen schaffen in dem sich Frauen und Mädchen treffen und fortbilden können. Gerade dort, wo der Einfluss reaktionärer Islamisten stark ist, müssen Frauen erst wieder Zugänge zu öffentlichem Handeln ermöglicht werden.

In Halabja und in der Region Hawraman, wo bis 2003 die radikalislamistische Ansar al-Islam ein Terrorregime errichtet hatte, wurden nach Vertreibung der Islamisten drei Frauenzentren eröffnet. Bis heute können dort in den Frauenzentren von Halabja und Biara Frauen ihre Erfahrungen austauschen und Freiräume selbstbestimmt nützen.

Die Development Civil Society in Garmyan (DCSG) eröffnete nach diesem Vorbild auch in Kifri, einem der Hauptorte der Region Garmyan ein Frauenzentrum, das ebenfalls von LeEZA unterstützt wird. In der multiethnischen Region, die von kurdischen, turkmenischen und arabischen IrakerInnen bewohnt wird, bildet das multiethnische Team des Frauenzentrums auch ein wichtiges Statement gegen die Ethnisierung der Konflikte im Irak.

Diese Zentren sind mit Bibliothek und Computerraum ausgestattet. Es werden verschiedenste Kurse angeboten, die vom Näh- und Schminkkurs über Alphabetisierungskurse bis zum Computerkurs reichen. Frauen und Mädchen bekommen so nicht nur endlich Zugang zu Bildung, sondern können auch selbst ihren öffentlichen Raum mitgestalten.

LeEZA unterstützte die Frauenzentren von 2004 bis Dezember 2008 mit finanzieller Hilfe der Stadt Wien, dem Weltgebetstag der Frauen Österreich und der OEZA.

Frauenhäuser

Im Jänner 1999 eröffnete in Suleymaniah das erste Frauenhaus im Nahen Osten außerhalb Israels. Es folgten weitere Schutzhäuser. Dort finden Frauen Zuflucht, die vor Gewalt in der Familie, „Ehrenmord“ oder Zwangsheirat bedroht sind. Viele Frauen kommen mit selbst- oder fremdzugefügten schweren Verletzungen in eines die Frauenhäuser und benötigen so zusätzliche medizinische Betreuung. Die Frauen und Mädchen erhalten in den Frauenhäusern Unterkunft und Verpflegung, sowie rechtliche und psychosoziale Betreuung. Den betroffenen Frauen wird also nicht nur Schutz vor Gewalt geboten. Vielmehr werden sie auch intensiv betreut. Ziel ist es, ihnen wieder ein möglichst selbstbestimmtes Leben außerhalb des Frauenhauses zu ermöglichen.

Gewalt gegen Frauen ist keineswegs ein auf den Irak, den Nahen Osten oder die „islamische Welt“ beschränktes Phänomen. Allerdings gibt es in den meisten Staaten des Nahen Ostens bislang wesentlich weniger bis gar keine Einrichtungen für Frauen, die einer unerträglichen Situation entfliehen wollen. Die Frauenhäuser sollen einen ersten kleinen Beitrag leisten, hier auch das Bewusstsein der politisch Verantwortlichen und der Gesellschaften zu verändern und die Notwendigkeit von Einrichtungen für Frauen, die Unterstützung benötigen, sichtbar zu machen. Die Mobilen Teams, die LeEZA von 2004 bis Dezember 2008 ko-finanzierte, bieten im Frauenhaus juristische und psychosoziale Beratung an.

Frauenprojekt in Diyarbakır

Diyarbakır wurde in den 1980er-Jahren zu einem der Hauptziele von Flüchtlingen aus kurdischen Dörfern im Südosten der Türkei, die durch den Krieg zwischen türkischem Militär und PKK vertrieben worden waren. Viele der Flüchtlinge konnten in der Millionenstadt nie ökonomisch Fuß fassen. Insbesondere die Frauen leiden unter Isolation und Armut. Ziel dieses mit dem Frauenzentrum EPI-DEM durchgeführten Projektes ist es, Frauen durch psychologische, medizinische und juristische Unterstützung sowie durch das Angebot von Alphabetisierungs- und Türkischsprachkursen bei den Problemen, die durch Migration und Urbanisierung für sie entstehen, zu unterstützen. Frauen sollen lernen, über ihren Körper selbst zu bestimmen und mit einfachen Methoden Empfängnisverhütung zu betreiben. Durch diese Aktivitäten wollen wir dazu beitragen die Lebenssituation der Frauen zu verbessern und ihre Partizipationsmöglichkeiten an Gesellschaft und Politik auszuweiten.

Alphabetisierungs- und Türkischkurse für kurdischsprachige Frauen sollen diesen den Zugang zu türkischen Medien und zur Partizipation am öffentlichen Leben ermöglichen. In den Seminaren werden Themen wie Familienplanung, Frauengesundheit, Verhütung, Menschenrechte und insbesondere Frauenrechte besprochen. Da die Zwangsmigration mit dem Verlust bestehender sozialer Netzwerke oft zu psychologischen Problemen führt, steht während der gesamten Projektzeit den Frauen eine Psychologin zur Verfügung. Diese hält auch eigene psychotherapeutisch angeleitete Workshops. Weiters bietet das Projekt Kinderbetreuung an.

Informationen über das Projekt, Bildmaterial, etc, kann bei LeEZA angefragt werden. Das Projekt wurde aus Mitteln der OEZA, des WGT, der Stadt Wien, der Gemeinde Yenişehir/Diyarbakır und von privaten Spender_innen unterstützt und lief von 2007 bis 2009.