Frankfurter Buchmesse mit Türkei-Schwerpunkt: Auch LeEZA-MitarbeiterInnen sind vertreten PA LeEZA

Heute wurde die 60. Frankfurter Buchmesse eröffnet. Bis Sonntag erwarten die VeranstalterInnen knapp 300.000 BesucherInnen. 7.373 AusstellerInnen aus 100 Ländern sind präsent. Zu sehen sind insgesamt mehr als 400.000 Bücher und andere Medien. Gastland ist diesmal die Türkei, eines der Projektländer von LeEZA.

Wir unterstützen derzeit ein Frauenprojekt in Diyarbakir, planen aber eine Ausweitung unserer Arbeit im politisch wie ökonomisch marginalisierten Südosten der Türkei. Zum Gastland, der Türkei, mit ihrer reichen und gesellschaftskritischen Literatur, gehören auch die Literaturen der sprachlichen Minderheiten, seien sie in Kurmaji, Zaza, Lasisch, Arabisch, Griechisch, Aramäisch oder Armenisch verfasst.

Viele LiteratInnen der Minderheiten der Türkei, darunter auch so große Namen wie Yasar Kemal, schreiben jedoch trotz ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ihres offenen Bekenntnisses zu ihrer kurdischen Herkunft in türkischer Sprache. Die gemeinsame Sprache der Türkei, hervorgegangen aus dem Osmanisch des multiethnischen Osmanischen Reiches, ist schließlich weit mehr als nur eine Sprache türkischer NationalistInnen. Sie ist auch die Sprache, in der soziale Kämpfe sprachlichen Ausdruck finden und kritische Literatur geschaffen wird. In ihr werden die wichtigen Zukunftsfragen der Türkei debattiert, wozu ganz zentral die Geschlechterfrage, das Verhältnis zwischen laizistischem Staat und Islam und die Kurdenfrage gehören. Letztere ist es auch, die durch die Präsenz kurdischer Literatur sichtbar werden wird.

Mit Thomas Schmidinger ist einer unserer Mitarbeiter auf der Buchmesse vertreten. Auf Einladung der Kurdischen Regionalregierung im Irak, wird er auf dem Stand „Kurdistan Book International“ am Samstag, dem 18. Oktober um 15. 30h einen Vortrag halten:

Kurdistan Book International, Halle 5.0 Stand A 965 “Die Kurdenfrage und die Demokratie im Nahen Osten“ Thomas Schmidinger spricht über die Veränderungen und Chancen, die sich aus dem Modell einer Autonomie in Irakisch-Kurdistan für die Demokratisierung in der Region ergeben.

Thomas Schmidinger hat in diesem Jahr drei Bücher (mit-)herausgegeben, die ebenfalls auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert werden:

Thomas Schmidinger (Hg.):
Vom selben Schlag…
Integration und Migration im niederösterreichischen Industrieviertel Alltag Verlag, Wiener Neustadt

Dunja Larise / Thomas Schmidinger (Hg.):
Zwischen Gottesstaat und Demokratie.
Handbuch des politischen Islam
Deuticke Verlag, Wien

Eva Pentz / Georg Prack / Thomas Schmidinger / Thomas Witteck (Hg.):
“Dies ist kein Gottesstaat!“
Terrorismus und Rechtsstaat am Beispiel des Prozesses gegen Mohamed M. und Mona S.
Passagen Verlag, Wien

Mit dem Buch „Ware Frau. Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa“ von Mary Kreutzer und Corinna Milborn, das im Frühling bei Ecowin erschienen ist, wird ein weiteres Buch einer LeEZA-Mitarbeiterin auf der Buchmesse vertreten sein.

Frauenhäuser

Im Jänner 1999 eröffnete in Suleymaniah das erste Frauenhaus im Nahen Osten außerhalb Israels. Es folgten weitere Schutzhäuser. Dort finden Frauen Zuflucht, die vor Gewalt in der Familie, „Ehrenmord“ oder Zwangsheirat bedroht sind. Viele Frauen kommen mit selbst- oder fremdzugefügten schweren Verletzungen in eines die Frauenhäuser und benötigen so zusätzliche medizinische Betreuung. Die Frauen und Mädchen erhalten in den Frauenhäusern Unterkunft und Verpflegung, sowie rechtliche und psychosoziale Betreuung. Den betroffenen Frauen wird also nicht nur Schutz vor Gewalt geboten. Vielmehr werden sie auch intensiv betreut. Ziel ist es, ihnen wieder ein möglichst selbstbestimmtes Leben außerhalb des Frauenhauses zu ermöglichen.

Gewalt gegen Frauen ist keineswegs ein auf den Irak, den Nahen Osten oder die „islamische Welt“ beschränktes Phänomen. Allerdings gibt es in den meisten Staaten des Nahen Ostens bislang wesentlich weniger bis gar keine Einrichtungen für Frauen, die einer unerträglichen Situation entfliehen wollen. Die Frauenhäuser sollen einen ersten kleinen Beitrag leisten, hier auch das Bewusstsein der politisch Verantwortlichen und der Gesellschaften zu verändern und die Notwendigkeit von Einrichtungen für Frauen, die Unterstützung benötigen, sichtbar zu machen. Die Mobilen Teams, die LeEZA von 2004 bis Dezember 2008 ko-finanzierte, bieten im Frauenhaus juristische und psychosoziale Beratung an.